Liebe Kolleginnen und Kollegen des erweiterten Vorstandes der AGoFF, in vielen Bereichen unserer Vereinsarbeit haben der engere Vorstand und die Schriftleiter inzwischen bereits Entscheidungen auf den Weg bringen können und sehr detaillierte Konzepte entwickelt oder umgesetzt. Es tut sich in allen Bereichen sehr viel, wenn auch notgedrungen bzw. einfach aus Zeitgründen z.T. noch ohne große Signale nach außen. Darüber wird aber nach und nach im Arbeitsbericht, auf der Webseite, in der Vorstandsliste und in direkten Gesprächen noch vieles berichtet werden. Seit unserem Treffen in Hannover steht u.a. auch die Aussage sozusagen im Raum, dass sich beim Thema Archiv der AGoFF nun (endlich) etwas tun werde. Daher möchte ich als neu gebildeten Leiter der Arbeitsgruppe Archiv hier einmal kurz über die allerersten Schritte und Erkenntnisse berichten, zumal die Zeit noch nicht gereicht hatte, einen Arbeitsbericht für den kommenden Arbeitsbericht zu liefern. Ziel unserer Arbeit ist, endlich geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, um archivalisches AGoFF-Eigentum nach archivfachlichen Kriterien dauerhaft zu sichern, dieses der Forschung zugänglich zu machen und nach Möglichkeit die vorhandenen Archivbestände durch weiteres erhaltenswerte Material zu vermehren. Aufgrund unserer mit der Martin-Opitz-Bibliothek (MOB) in Herne bestehenden vertraglichen Vereinbarungen kommt für eine Langzeitarchivierung nicht laufend benötigter Unterlagen derzeit nur dieser Ort in Frage. Alle privaten oder halbprivaten Unterbringungen von nicht dauernd benötigtem Original-Material können immer nur Übergangslösungen sein. Dies ist nicht nur ein selbstverständliches archivarisches Prinzip, sondern u.a. auch die bittere Erkenntnis aus der Geschichte der AGoFF, die letztlich neben allen Erfolgen auch eine Geschichte archivalischer Verluste ist. Bald nach der Mitgliederversammlung erfolgte ein Besuch in Herne, an dem neben dem Leiter der AGR Archiv die Herren Frantz und Vollmer teilnahmen. Wir konnten uns davon überzeugen, dass dort durchaus noch wertvolles Archivgut der AGoFF vorhanden ist, dass aber von einem Archiv mit entsprechendem Ordnungssystem, zusammenhängender Aufbewahrung oder gar die Nutzung erst ermöglichender Verzeichnung noch nicht die Rede sein kann. Dies alles herzustellen, wird meine Aufgabe sein, teilweise mittel-, teilweise langfristig. Kurzfristig wurde an den beiden Tagen meiner Anwesenheit in Herne zunächst versucht, eine erste Bestandsaufnahme durchzuführen. Diese erbrachte – hier in knappster Form zusammengefaßt – folgendes: Wir haben trotz aller schwerwiegenden Aktenverluste, die meist nach dem Tod oder Ausscheiden von Vorstandsmitgliedern eintraten, noch für alle Phasen der Vereinsgeschichte aussagekräftige Unterlagen, um unsere eigene Geschichte zu dokumentieren und darzustellen. Die Akten des engeren Vorstandes liegen mit Lücken, aber doch relativ gut überliefert für die Jahre 1948 bis 1982 vor, Jüngeres wird in Kürze vom Archiv übernommen werden. Protokolle, allgemeine Korrespondenz und Sachakten des engeren Vorstandes sind aus den Amtszeiten der Vorsitzenden Liebich, Schönthür und Modler überliefert. Herr Frantz hat bereits begonnen, die frühen Sitzungs- und Versammlungsprotokolle zu digitalisieren. Die Einstellung der Digitalisate auf die Webseite ist vorgesehen, Material, das jünger ist als 30 Jahre, soll gemäß Beschluss des engeren Vorstandes zunächst noch nicht bzw. nur im internen Bereich eingestellt werden. Schlecht überliefert sind im Rahmen der Vorstandsakten die Finanzen. Hier hat man offenbar in früheren Jahrzehnten stets nach Ablauf kaufmännisch orientierter Aufbewahrungsfristen kassiert, d.h. vernichtet. So fehlen durchweg Kassenbücher. Vorhanden sind aber, was für die Kenntnis der wesentlichen Zahlen ausreicht, Jahresabschlüsse. Interessant ist der freilich nur begrenzte und nur für eine Teilzeitraum überlieferte Schriftwechsel des engeren Vorstandes mit einzelnen Forschungsstellen. Darin sind im wesentlichen allerdings nur organisatorische Dinge enthalten, kaum Forschungsergebnisse. Sobald die Akten verzeichnet sind, wird darüber näher berichtet werden können. Bis dahin bitten wir noch um Geduld. Leider sind in Herne neben diesen Akten des engeren Vorstandes so gut wie keine Überlieferungen, die direkt aus den Forschungsstellen (FST) stammen, vorhanden. Was also nicht bis heute in den FST überlebt hat, muss als bereits früher verloren gegangen betrachtet werden, wenn nicht noch Wunder geschehen. Erfreulich gut überliefert ist die langjährige Tätigkeit der Spika (Spitzenahnenkartei), deren umsichtige und fleißige Betreuerin Ruth Hoevel (seit 1960) nicht nur weitere Karteien neben der eigentlichen Spika (ohne sudetendeutsche Anteile) gerettet, sondern auch einen ausgedehnten Briefwechsel hinterlassen hat. Letzterer konnte erst sehr grob gesichtet werden. Er enthält eine umfangreiche allgemeine Korrespondenz mit eingesandten Forschungsergebnissen, aber auch einige Ordner direkter Korrespondenz mit FST. Auch dieses Material muss vor einer Benutzung zunächst noch näher gesichtet und geordnet werden (oftmals handelt es sich um übervolle Aktenordner, die kaum zu handhaben sind, aber es gibt auch noch lose Papiere, die erst zitierfähig zu machen sind). Ruth Hoevel können wir aber schon jetzt als diejenige bezeichnen, der wir wohl noch die meisten geretteten Unterlagen verdanken. So hatte sie bei sich gelagert die der AGoFF übereigneten Karteien und Forschungsunterlagen aus den Nachlässen Erbo von Schickfus, Rudolf Schönthür und Johannes Gottwald. Um ein Haar wären diese nach Ruth Hoevels Tod der AGoFF auf Umwegen abhanden gekommen, da sie mit der Spika zunächst nach Regensburg (Lore Schretzenmayr) und dann nach Marburg ins Herder-Institut gebracht wurden, bis sie erst 2004 durch die MOB nach Herne geholt werden konnten. Es handelt sich bei diesen sonstigen, aus Nachlässen einzelner Forscher stammenden Karteien weitgehend um Material zu schlesischen, bei Gottwald auch zu böhmischen und südwestdeutschen (Adels-)Familien. Die Kartei Schickfus, von der leider der Buchstabe R fehlt, betrifft ausschließlich den schlesischen Adel. Der Nachlass Schönthür enthält nach bisherigen Erkenntnissen ausschließlich Material zu eigenen Ahnenforschung (die Ahnenliste ist publiziert im Deutschen Familienarchiv, Bd. 1). Auch diese Nachlässe müssen zunäch st noch weiter gesichtet und geordnet werden, da z.T. noch lose Karteikarten zusätzlich zu den geordneten Kästen existieren. Schließlich ist unabhängig von den durch Ruth Hoevel bewahrten Unterlagen noch (als einziger jüngerer Nachlass) der Nachlass Otto Firchau, langjähriger Leiter der FST Posen und der FGR Netzeland-Ost, vorhanden. Dieser befindet sich allerdings noch in einem sehr ungeordneten Zustand und konnte auch noch nicht in geeigneten Regalen zusammengeführt werden. Zudem leidet die Auswertungsmöglichkeit etwas unter der schlechten Handschrift Firchaus. Vorhanden sind darin sowohl Karteien als auch sonstiges Material sowohl aus der AGoFF-Arbeit als auch zur eigenen Familienforschung. Insgesamt hat die erste, hier wirlich nur skizzierte Sichtung unserer archivalischen Überlieferung in der MOB erbracht, dass noch viel zu tun ist und dass es überfällig und sehr dringend gewesen ist, aus dem Konglomerat unterschiedlichster und auch im Hause an unterschiedlichen Stellen untergebrachter Materialien jetzt erstmals und nun dauerhaft ein Archiv zu nennendes Gebilde zu schaffen. Dafür ist zunächst als eine einfache, grobe Gliederung (Tektonik sagen die Archivare) vorgesehen, die zugleich Grundlage für die Vergabe von Bestandssignaturen sein soll: A Vereinsakten B Nachlässe C Sammlungen Der Bereich A nimmt also langfristig dasjenige auf, was aus unserer Tätigkeit als Vorstandsmitglieder erwächst und nicht mehr für die laufende Arbeit benötigt wird (bitte nichts ohne Rücksprache mit dem Archivbeauftragten vernichten). Der Bereich B nimmt alles dasjenige auf, was aus Privathand kommt und jeweils einer Nachlasser-Person zugeordnet werden kann. Der Bereich C soll in Zukunft die Heimat für versprengte Einzelstücke bilden, also Einzeldokumente, die nicht zu A oder B passen (Ahnenpässe, Ahnenlisten, Urkunden usw.). Die Lektüre einzelner Akten im Vereinsarchiv hat ergeben (und dies kann man auch in frühen Arbeitsberichten lesen), dass die AGoFF immer wieder neue Ansätze zur Sicherung ihrer Unterlagen und zur Übernahme ganzer genealogischer Nachlässe erwogen und versucht hat, dass sich aber nie eine konsequente, dauerhafte Linie daraus ergeben hat. Wir möchten nun, fünf vor Zwölf, dies Versäumte nachholen und für die Zukunft eine feste, verlässliche und transparente archivische Organisation schaffen. Dafür bitten wir einerseits um Mithilfe, falls noch irgendwo interessantes Altmaterial schlummert, andererseits auch um eine gewisse Geduld. Denn es kann natürlich trotz aller vorhandenen Motivation nicht innerhalb kürzester Zeit alles das nachgeholt werden, was in Jahrzehnten nicht geschehen ist. So sollte zunächst keine Flut von Anfragen provoziert werden, denn damit wären wir derzeit völlig überfordert, zumal der einfache Gang ins Archiv vorläufig für den Archivar nicht einen Gang in den Keller oder in den benachbarten Magazinraum, sondern eine Reise von Berlin nach Herne und zurück bedeutet. Ich bin gern jederzeit bereit, ernsthafte Interessenten in Einzelgesprächen näher zu informieren, soweit es mein jeweiliger Kenntnisstand (ich arbeite mich langsam, aber stetig voran) zulässt. Melden Sie sich also ruhig mit Fragen und Hinweisen bei mir direkt, aber helfen Sie mir im Moment bitte bei der Bewältigung der Arbeit, indem Sie vorerst keine ausgedehnte Listendiskussion auslösen, zumal ich mich auch noch um AOFF und Schriftenreihe, auf die wir alle warten, kümmern muss. Mit herzlichen Grüßen aus dem staubigen Archiv Ihr Peter Bahl Endstaubter Leiter der Arbeitsgruppe Archiv der AGoFF ----------------------------------------------------- Dr. Peter Bahl Gurlittstr. 5 12169 Berlin Tel. (0 30) 7 53 99 98 peterbahl@gmx.de ----------------------------------------------------- -- GRATIS für alle GMX-Mitglieder: Die maxdome Movie-FLAT! Jetzt freischalten unter http://portal.gmx.net/de/go/maxdome01