Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ein paar Gedanken zu den letzten Vorstandslistenmails, insbesondere, aber nicht nur bezogen auf Publikationen. Das Auseinanderklaffen von Vereins-Angebot und Mitglieder-Erwartung ist nicht nu ein AGoFF-Problem. Ich kenne es zur Genüge aus den Diskussionen in anderen Vereinen und Vereinsvorständen und muss mich dem als Vorsitzender eines landesgeschichtlichen Vereins hier in Berlin-Brandenburg auch immer wieder stellen. Wir haben dort durch Nutzung der neuen Medien und Kommunikationsformen auch neuen Wind hereinholen können (Homepage, dann neuer Schub durch Erweiterung von deren Inhalten, erneut durch ihre graphische Überarbeitung, kürzlich verstärkte Aufnahme aktueller Hinweise in die bis dato recht statische Seite usw., schließlich seit wenigen Jahren Ausbau des über das übliche Alibi-Minimum so mancher Homepages hinausgehenden Angebots durch Online-Verfügbarkeit unseres inzwischen über 28.000 Datensätze enthaltenden Bibliothekskatalogs usw., schließlich, homepage-unabhängig, unformalisierte, aber de facto als Newsletter zu verstehende, etwa einmal pro Monat, letztlich aber nach Angebot, also auch mal öfter, versandte Rundmails vornehmlich mit Veranstaltungshinweisen, auch schon mal Todesmeldungen/Nachrufen, Literaturhinweisen (Neuerscheinungen) u.a., die gerade von auswärtigen Mitgliedern sehr gern angenommen werden und ihnen das Gefühl geben, stärker einbezogen zu sein (das ist bei uns im Brandenburg-Verein alles sicher noch nötiger, da wir bisher keine malinglist haben und die Situation ohnehin anders ist als in der AGoff, der ein geographisches Zentrum halt fehlt). Digitalisierung ist als mittelfristiges Ziel auch im Hinterkopf. Meist wird aber eine knappe „Newsletter“-Information später im gedruckten Mitteilungsblatt (teilweise dem Arbeitsbericht der AGoFF vergleichbar) vertieft. Der neue Schub hat durchaus Erfolge gebracht in der Wahrnehmung durch Interessierte, so einen verstärkten Zulauf von Mitgliedern. Die von Herrn Frantz angesprochene „Überalterung“ der “klassischen Vereine“ führt jedoch dazu, dass wir (gegründet 1884 und schon insofern klassisch) wirklich schon froh sind, wenn wir mittlerweile die Mitgliederzahl halten können und nicht mehr rückläufig sind, denn so sehr der Zulauf freut, häufen sich doch Austritte aus Alters-, Krankheits-, Pflegebedürftigkeits- und Finanzgründen. Das wird noch zunehmen, wie nicht nur der Demograph weiß. Da wir, wohl anders als die AGoFF, beim Finanzamt als (gemeinnütziger) wissenschaftlicher Verein eingruppiert sind, hat man uns auferlegt, wenn wir die Anerkennung auch des Mitgliedsbeitrages (und nicht nur zusätzlicher Spenden) als abzugsfähige Spende weiter wollen, unsere Leistungen jedermann zugänglich zu machen und nicht auf den Mitgliederkreis zu beschränken. Meines Wissens gibt es in der Genealogie als gemeinnützig-wissenschaftlich eingestufte Vereine und solche , die wegen Heimatpflege usw. als gemeinnützig anerkannt sind. Jedenfalls stehen unsere Projekte in Berlin-Brandenburg stets für die interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung, müssen frei zugänglich sein. Das erleichtert nicht gerade die Überzeugungs- (und gelegentlich wohl wirklich auch mal Überredungs-)Arbeit bei der Mitgliederwerbung, ist aber eine klare Linie, die letztlich dem aktuellen Open-Access-Prinzip entspricht. Aber auch der nun wirklich überzeugende Verein für Computergenealogie macht ja doch seine großen Datenbanken für jedermann kostenlos zugänglich. Ich denke daher, dass nicht nur das individuelle Abwägen von Kosten und Nutzen für ein Mitglied eine Rolle bei der Entscheidung über einen Vereinseintritt spielt. Auch der Geist einer solchen Sache wird wohl transportiert und begeistert entweder oder nicht. Ich bin seit 1985 AGoff-Mitglied und verfolge die Dinge seitdem aufmerksam. Die neuen Möglichkeiten, die wir durch Internet und Digitalisierung bekommen haben, führen bei einem Teil der Genealogen dazu, dass sie sich fast ganz darauf konzentrieren, entweder diese zu nutzen oder an ihrer Weiterentwicklung mitzuwirken. Ersteres hat nicht nur nach meinem Eindruck zwar zu einem größeren Zulauf für die Genealogie insgesamt, aber auch zu einem Qualitätsverlust an vielen Stellen geführt, letzteres zu einer Verbesserung für alle Nutzer und gleichfalls zu einer Attraktivitätssteigerung des Genealogie-Hobby allgemein. Öfters hörte man in den letzten Jahren Zweifel an dem künftigen Nutzen gedruckter Publikationen. Inzwischen, so mein Eindruck, haben die meisten erkannt, dass man Druckausgabe und Digitalisat bzw. durch Register erschlossenes Papier und recherchierbare Datenbank nicht gegeneinander ausspielen darf und weder das eine noch das andere als allein selig machend sehen sollte. Unsere „Heftchen“ erfüllen nach wie vor die im Internet von keinem Fachmann garantierte Aufgabe der einigermaßen dauerhaften Datensicherung. Ich selbst beziehe sie seit 1985 und habe noch nie einen meiner Ahnen darin gefunden. Dennoch halte ich sie für eine ganz wichtige Sache. Ich glaube, wir müssen uns bemühen, die Anschauung stärker zu verbreiten, dass die AGoFF mit dem AOFF ein Angebot bereit hält, das über den aktiven Forscheralltag hinaus geht. Vor Jahren wurde noch deutlicher und öfter damit geworben, dass man als AGoFF-Mitglied die Berechtigung zum kostenlosen Abdruck seiner Forschungsergebnisse im AOFF erhält. Inzwischen laufe ich als Schriftleiter hinter Autoren her, die überhaupt bereit sind zu publizieren, und kann und muss darauf, ob sie Mitglied sind, gar keine Rücksicht mehr nehmen. Würde man das AOFF etwas ausbauen und attraktiver gestalten, könnte dieser Angebotsteil der AGoFF auch wieder zugkräftiger werden. Denn nach wie vor kostet es ric htig gutes Geld, wenn man z.B. seine Stammfolge im DGB oder DFA veröffentlichen will. Da sollte das Angebot eines kostenlosen Abdrucks bei uns schon interessant sein, bleiben, werden. Das AOFF ist in seiner Machart äußerlich und inhaltlich bis hin zum System Liebich ein Kind der Nachkriegszeit und ihrer deutlich begrenzteren Möglichkeiten, vor allem auch der mit der heutigen, teilweise recht komfortablen Quellen-Situation eines im weitesten Sinne ostdeutschen Forschers nicht mehr vergleichbar. Damals und noch bis vor vielleicht 10 Jahren hatten die „Heftchen“ wohl schon noch eine auch direktere Bedeutung. Heute bietet das Internet mehr sofort zugängliche Daten, wenn man kurzfristige Forschungshilfe oder schnelles Finden für einen selbst nutzbringender Daten sucht. Es bleibt jedoch, wie gesagt, die Langzeitsicherung. Die kurzfristige Bedeutung eines einzelnen „Heftchens“, das man aus dem Briefkasten nimmt und bald wieder weglegen wird, ist sicher geringer geworden. Da braucht man einen sehr langen Atem und muss sich als Teil einer Gesamtforscherwelt sehen, die an den Bänden mitbaut, die halt aus nachkriegszeitlichen Sparsamkeitsgründen in una uffälligen Lieferungen erscheinen, aber am Ende in ihrer Gesamtheit dann doch einen unerhörten Reichtum an gesicherten Genealogien und aufbereiteten Daten enthalten (Was kann ich für die AGoFF und damit für alle tun, nicht nur: Was kann sie für mich tun …). Es ist vielleicht schwer zu vermitteln und mir fehlt eigentlich auch die Zeit dafür, das hier zu tun, aber ich stehe nach wie vor dafür, dass ein Abdruck im (wie auch immer gestalteten) AOFF nicht dasselbe ist wie das „Ins-Netz-Stellen“ von Daten. Die Aufgabe des Redakteurs bedeutet für mich stets auch, die im Rahmen des Möglichen durchzuführende Prüfung der eingereichten Manuskripte auf ihre inhaltliche Stimmigkeit und Zuverlässigkeit, auf die Nachvollziehbarkeit ihrer Angaben und der in ihnen enthaltenen Schlüsse, auf die Richtigkeit der Quellenangaben, auf die Vergleichbarkeit der Materialien, auf die Wahl des dargestellten Ausschnitts, auf den nötigen Grad an Erläuterung in der Einleitung für Außenstehende u.a.m. D.h. es gibt nicht nur die lästige und fast immer nötige Überprüfung auf die Umsetzung des Systems Liebich, auf Tippfehler usw., sondern eine Qualitätskontrolle. Viele Manuskripte wandern in Teilen zunächst zum Einsender zurück mit verschie denen Fragen und Ergänzungsvorschlägen, die nur im Sinn haben, dass das dann dauerhaft zu Druckende auch wirklich wasserdicht ist und demjenigen, der an einer Stelle ansetzen und weiterforschen möchte, kein Bein stellt. Mindestens ähnlich qualitätsbewußt und kritisch hat jede Redaktion von Quelleneditionen zu sein, wie sie in der OFK gelegentlich im AOFF und hoffentlich demnächst in einer gut durchdachten AGoFF-Schriftenreihe geschieht. Solcher Art zuverlässig erarbeitete und redigierte Texte lohnen dann auch die spätere Digitalisierung oder gleichzeitige Internet-Publikation. Sowohl AOFF als auch OFK und erst recht künftige Bücher sind nichts für den schnellen Forscheralltag, für den bisweilen schon der nach wie vor wichtige Arbeitsbericht zu schnell veraltet. Ihr Wert und ihre Bedeutung reichen darüber und letztlich über unser eigenes begrenztes Forscherleben hinaus. Das zeigt sich schon daran, wie begeistert wir heute ältere, qualitätvolle gedruckte Quell enpublikationen zur Hand nehmen und als dringend digitalisierungsbedürftig sehen. Die AGoFF ist eine Art Dienstleister, aber sie schafft auch Werte, sie sollte beide Funktionen stärker „kommunizieren“, wie das heute heißt. Ich möchte an alle, die immer wieder zweifeln, was ihnen OFK und AOFF über das Jahr gebracht haben, appellieren, nicht nur, wie Mario Seifert ganz zu recht schreibt, selbst vielleicht Autor zu werden, sondern auch zu bedenken, dass es kaum ein Verein so schwer hat, jedem etwas zu bieten, wie die AGoFF, deren Interessengebiet geographisch betrachtet so riesig ist, dass es gar nicht denkbar und machbar ist, dass wenigstens in jedem zweiten Heft die Region vorkommt, die man selbst in erster Linie vertritt. Da haben es die Sudetendeutschen oder der Pommersche Greif mit Sicherheit etwas leichter, auch weil innerhalb eines einzigen Landes die Probleme, die Quellensituation u.a. doch etwas vergleichbarer sind. Die AGoFF, die ja auch eine Verantwortung für die kleineren Regionen hat, die keinen starken, überregional wahrgenommenen eigenen Verein bilden können, kann wohl nur überleben, wenn sie dafür eintritt, den Blick möglichst zu weiten. Die Beschreibung einer baltischen Fa milie in der OFK kann durchaus z.B. methodisch auch dem eher oder nur an posenschen oder schlesischen Verhältnissen Interessierten etwas zu sagen haben. Wir schulen doch vielleicht unsere eigene Forscherkompetenz, wenn wir mit den ganz anderen Augen eines Nachbarn ein ähnliches Problem, nur an anderem Ort, betrachtet und analysiert sehen. Ich gebe zu, dass das für viele Familienforscher nicht leicht zu vermitteln ist und man da schon wirklich an mehr als nur den eigenen Ahnen interessiert sein sollte, vielleicht an so etwas wie dem Verstehen-Lernen der Lebenswelt unserer Vorfahren. Die Lektüre der Buchbesprechungen in der OFK kostet z.B. wenig Zeit und schärft und öffnet den Blick oft an fremden Beispielen. Ich habe schon 2004 dem Vorstand ein Papier übermittelt, in dem ich mich ausführlich mit Sinn und Zweck und Form und Inhalt einer Schriftenreihe befaßt hatte. Leider ist das, wohl aus verschiedenen Gründen, im Sande verlaufen. Ich hoffe sehr, dass das demnächst anders wird und das wir in der AGoFF künftig in allen Bereichen wieder sichtbarere Aktivität zeigen, sehr verstärkt auch im Netz, wo wir großen Nachholbedarf haben, aber eben nicht nur dort. Ein Wort noch zum Medium der Mailingliste. Ich bin in Mailinglistenarchiven schon auf manchen wertvollen Hinweis und manch brauchbare Datenerwähnung gestoßen. Die regelmäßige Teilnahme an einer offenen, großen Mailingliste hatte mich aber trotz vieler positiver Gegenbeispiele und trotz eines oft großen Potentials an hilfsbereiter Kollegialität wegen der doch auch großen Zahl vollkommen unwissender Antworten, nicht nur Fragen, erschüttert. Ich denke daher, dass es auch Aufgabe eines jeden genealogischen Vereins sein sollte, neben konkreten Forschungshinweisen für unsere Spezialregionen auch Grundlagenwissen stärker zu verbreiten, „Methodenkompetenz“, um es etwas akademisch auszudrücken, zu verstärken. Ähnlich wie der Verein für Geschichte Schlesiens z.B. weiterbildende Workshops für Ortschronisten und Familienforscher anbietet, könnte die AGoFF in einzelnen Städten und mit vereinten Kräften solche Veranstaltungen durchführen, gleichsam Ostdeutsche Genea logentage oder teilweise besucheroffene Mitgliederversammlungen. Es gibt noch so ein Wort, das man heutzutage öfter hört: Profilschärfung. Vielleicht muss nicht nur die AGoFF insgesamt klarer rüberkommen (die Wissensvoraussetzungen bei potentiellen „Kunden“ sind sehr unterschiedlich), sondern müssen auch ihre Publikationen noch deutlicher zeigen, wofür sie gedacht sind. Am stärksten verändert hat sich der Arbeitsbericht. Er ist eine eigene Zeitschrift geworden, was vielleicht hier und da erst wahrgenommen oder gar akzeptiert werden musste, aber inzwischen wohl allgemein als segensreich gesehen werden dürfte. Er ist mit Sicherheit ein ganz wichtiges Informations- und insofern auch Werbeinstrument und sollte schon deshalb eher noch ausgebaut werden. Profilschärfung würde aber bedeuten, dass, so wie AOFF und OFK gelegentliche Überschneidungen bei ähnlich gearteten Beiträgen tolerieren, aber eben nicht anstreben, der ARB künftig auf den Abdruck von Gelegenheitsfunden nach Möglichkeit verzichtet, solange das mit seiner Regis ter-Datenbank solche Dinge nach wie vor gut erschließende AOFF an Manuskriptmangel leidet. Das AOFF ist doch immer damit beworben worden, dass es auch „Schnipsel“ aufnehme. Für das AOFF, das nicht nur durch Autorensuche, sondern auch die geschilderte Qualitätskontrolle gelegentlich Verzögerungen in Kauf nehmen muss, ist die postalische Bindung an den gemeinsamen Versandtermin mit dem terminabhängigen ARB mißlich, für den ARB ist es noch problematischer, aber auch das fertige AOFF musste umgekehrt in der Vergangenheit schon einmal auf den ARB warten, bis es versandt werden konnte. Hier sollte man vielleicht künftig die Portomehrausgabe nicht scheuen und getrennt versenden, um unnötigen Unmut bei den Machern wie bei den Adressaten von vornherein zu vermeiden (nach meiner Kenntnis sind die PDFs, also die Druckvorlagen der letzten beiden AOFF-Lieferungen 14 und 15 seit rund drei Wochen bei der Druckerei, so dass die weitere Versandverzögerung zwar anfangs auch auf das Konto des AOFF ging, aber inzwischen auch für mich weder erklärlich und noch erfreulich ist). Mich kürzer zu fasssen fehlte mir heute die Zeit, aber jetzt muss ich noch ein paar andere Dinge regeln. Schönen Rest-Sonntag! Herzliche Grüße Peter Bahl Schriftleitung AOFF -- Neu: GMX Doppel-FLAT mit Internet-Flatrate + Telefon-Flatrate für nur 19,99 Euro/mtl.!* http://portal.gmx.net/de/go/dsl02