[gfkw-vorstand] [Fwd: [DAGV] themenbezogene genenealogische Arbeitskreise]
-------- Original-Nachricht -------- Betreff: [DAGV] themenbezogene genenealogische Arbeitskreise Datum: Wed, 28 Feb 2007 15:17:01 EST Von: MetzkeJena@aol.com Antwort an: Genvereine-L <genvereine-l@genealogy.net> An: genvereine-l@genealogy.net CC: dj.reincke@nexgo.de Vorschlag zur Gründung themenspezifischer genealogischer Arbeitskreise 1983 veröffentlichten die Genealogen Hans-Joachim Kretschmar, Hermann Metzke und Volkmar Weiss einen „Aufruf zur Mitarbeit bei der großräumigen Verkartung von Sonderberufen in Sachsen, Thüringen und dem Bezirk Halle" (Familienforschung Heute 4, 34-35, 1983). Damit wurde die Erfassung mobiler Berufsgruppen in einem großen zusammenhängenden Territorium angestrebt. Die Arbeiten, die auch Ergebnisse anderer Forscher einbezogen, wurden in unterschiedlicher Weise geführt und sind teilweise veröffentlicht. Vor dem Hintergrund einer organisierten Genealogenschaft von deutlich über 20.000 Forschern ist es eher erstaunlich, dass es in der Bundesrepublik zwar die unterschiedlichsten Aktivitäten von Einzelforschern innerhalb der Vereine, aber bisher keine koordinierten Aktionen in dieser Richtung über Vereinsgrenzen hinaus gegeben hat, zumindest nicht in größerem Umfang. Dass ein Forschungsbedarf auf dem Gebiet der Genealogie mobiler Personen- und Sozialgruppen besteht, belegt nicht zuletzt die Tatsache, dass die Themen der letzten Genealogentage vorwiegend Problemen der Migration gewidmet waren. Es erscheint sinnvoll, die meist von Einzelpersonen getragenen Initiativen von unterschiedlichem Ausmaß innerhalb der Vereine überregional zu koordinieren. Ich möchte die Problematik an einem Gebiet erläutern, mit dem ich mich seit einigen Jahrzehnten beschäftigt habe: Schäfer und Hirten. Der Ausgangspunkt war wie bei vielen Genealogen ein toter Punkt und die Erfahrung, dass man bei gezielter Suche meist die Spur einer solchen Familie verliert. Sicher gibt es auch in dieser Berufsgruppe Familien, die zumindest für einen gewissen Zeitraum in einem enger begrenzten Gebiet leben, aber eine großräumige Erfassung erbrachte zahlreiche Belege für eine hohe Mobilität. Schon von einem Jahr zum anderen konnten bei Schäfern und Hirten zwischen den Arbeits- bzw. Lebensorten fünfzig Kilometern liegen. Größere Entfernungen sind anzunehmen, entgehen aber selbst bei flächendeckender Sammlung in aller Regel der Erfassung. Auch nach einer jahrzehntelangen Sammlungsarbeit sind mir - wie vielen anderen Forschern auch - Familienrekonstruktionen über mehrere Generationen verhältnismäßig selten gelungen. Mit dem Aufbau themenspezifischer Datenbanken allein lässt sich die Problematik in aller Regel nicht lösen. Sie setzt, wenn sie erfolgreich sein soll, die intensive Zuarbeit zahlreicher Forscher nach einheitlichen Kriterien voraus, was bedeutet, dass Datenmaterial, hinter dem häufig die Lebensarbeit eines Forschers steht, relativ anonym in einer allgemeinen Sammlung aufgeht. Nicht jeder ist dazu bereit. Außerdem gehen in eine solche Datenbank vorwiegend die Vertreter der jeweils bearbeiteten Berufsgruppe ein, Berufswechsel, Übergänge in andere Sozialgruppen lassen sich auf diesem Wege nur schwer erfassen. Die Aufklärung solcher Zusammenhänge wäre aber abgesehen von der Bedeutung für die Genealogie auch von wesentlichem sozialgeschichtlichem Interesse. Notwendig ist eine inhaltliche Koordination und ein regelmäßiger Gedankenaustausch. Sicher kennen sich die auf einem bestimmten Gebiet arbeitenden Forscher teilweise, aber das reicht in der Regel nur für die Lösung von Einzelproblemen. Themenbezogene Arbeitskreise hätten eine Reihe von Vorteilen, neben der Erfassung regionenübergreifender Mobilität vor allem die Möglichkeit einer gezielten Zusammenarbeit mit Arbeitsgemeinschaften und Institutionen, die sich mit der jeweiligen oder einer anderen ähnlich gelagerten Problematik von einem anderen Gesichtspunkt her befassen (Müller - Mühlen, Schäfer und Hirten - Geschichte der Tierzucht, Soldaten - Militärgeschichte). Längerfristig könnten hier erhebliche Informationsgewinne und Synergieeffekte erzielt werden. Gute Erfahrungen in dieser Hinsicht liegen auf dem Gebiet der Scharfrichterforschung vor. Hier hat sich ein eigener Arbeitskreis gebildet, der bereits mehrfach getagt hat und einen intensiven Informationsaustausch pflegt. Die Organisationsform solcher Arbeitsgemeinschaften ist zweitrangig, die Gründung eigener Vereine kaum wünschenswert. Eine Anbindung bei der DAGV wäre ebenso denkbar wie eine Zusammenarbeit regional organisierter Vereine bei Themen, die für die von ihnen bearbeiteten Territorien spezifisch sind (Migration der Bergleute zwischen verschiedenen Bergbauregionen, Glasmacher). Wie man das Arbeitsgebiet abgrenzt, müßte von Fall zu Fall entschieden werden. Um bei dem Beispiel der Schäfer zu bleiben: Man kann sicher darüber streiten, ob man die süddeutsche Wanderschafhaltung und die Schafmeister des mitteldeutschen Raumes in der gleichen Arbeitsgruppe bearbeiten will. Sicher ist aber, dass man bei diesen Forschungen auf Kooperation angewiesen ist. So habe ich für die mitteldeutsche Schafmeister- und Anspännerfamilie Keutel mit Schwerpunkt im Saalkreis und im Mansfelder Land inzwischen fünf Interessenten, die alle in intensiver Forschung Teilrekonstruktionen erarbeitet haben, aus denen sich jetzt ein Gesamtzusammenhang schemenartig abzeichnet, aber bisher immer noch nicht belegen läßt. Entsprechende Beispiele, wenn auch nicht so eindrucksvoll, könnten mehrfach angeführt werden. Prof. Stoyan bemüht sich seit längerem um Mitarbeit für seine Datenbank "Ratsfähige Familien", ein hochinteressantes, genealogisch ergiebiges Thema, für das ein eigener Arbeitskreis sich anbietet. Das Gleiche gilt für die Soldatenforschung. Hier verweise ich exemplarisch auf die im letzten Heft der "Genealogie" erschienene Arbeit von Jos Kaldenbach zur Königlich Deutschen Legion 1809-1813 oder die zahlreichen Publikationen von Erich Scherer zu den Angehörigen der Regimenter im mitteldeutschen Raum. Ich selbst wäre daran interessiert, einen Arbeitskreis Schäfer- und Hirtenforschung (ggf. begrenzt auf Nord- und Mitteldeutschland) und/oder Müllerforschung zu gründen, wenn sich genügend Interessenten finden. Ich biete hiermit ein Koordinationsprojekt "Genealogie mobiler Personengruppen" an, das ich selbst betreuen würde, zumindest solange, bis die Arbeitskreise selbstständig arbeitsfähig sind. Zu diesem Zweck bitte ich darum, innerhalb der Vereine an die Mitglieder heranzutre- ten, die sich mit bestimmten mobilen Berufsgruppen befassen und sie zu motivieren, sich mit mir in dieser Angelegenheit in Verbindung zu setzen. Dr. Hermann Metzke _______________________________________________ Genvereine-L mailing list Genvereine-L@genealogy.net http://list.genealogy.net/mailman/listinfo/genvereine-l
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