Liebe Vorstandsmäuse,
ich fühle mich leider gezwungen, auf diesem Wege einiges klarzustellen,
was möglicherweise in ein falsches Licht gestellt wurde.
Herr Dr. Ulrich hat in den vergangenen Tagen einige von Ihnen/Euch
schriftlich über seinen Schritt informiert, dass er den Status als
Ehrenvorsitzender an die MAUS zurückgegeben hat.
Herr Voß und ich sind über diese Schriftstücke nicht informiert worden,
obwohl eine andere Vorgehensweise abgesprochen war. Daher fühle ich mich
nun in der Pflicht, den Gesamtvorstand über die interne Diskussion zu
unterrichen, um weiteren Spekulationen vorzubeugen.
Streitpunkt ist die Veröffentlichung des Grabstein von Sandra Engelhard
auf dem Oberneulander Friedhof.
Am 08.06.2009 ließ Herr Karl Engelhard (Generalbevollmächtigter einer
großen Bremer Firma) über sein Sekretärin in einer kurzen mail
ausrichten, dass er die Entfernung des Grabstein seiner Tochter aus
unserer Datenbank wünscht. Originalton aus dieser mail: "Das ist
geschmacklos und pietätlos".
Ich habe ihm dann (wie in anderen Fällen vorher) ausführlich, freundlich
und sachlich zurückgeschrieben und unsere Beweggründe, unsere rechtliche
und auch moralische Position dargelegt und um nähere Erläuterungen gebeten.
Darauf kam keine Antwort, sondern man hat sich über Dritte direkt an
Herrn Ulrich gewandt in der Hoffnung, er können aus seiner
Vereinsposition heraus mehr bewegen. Herr Ulrich hat mir darauf eine
entsprechende email geschickt und auf meinen Anrufbeantworter
gesprochen. Er hat bei mir den Eindruck erweckt, als ob die Eltern ein
ernsthaftes seelisches Problem mit der Veröffentlichung haben. Man habe
schließlich ein Kind verloren.
Ich habe daraufhin zunächst den Datensatz herausgenommen um in Ruhe den
Sachverhalt zu klären.
Danach stellte sich heraus, dass Herr Ulrich die Familie Engelhard gar
nicht kennt, nie mit ihnen gesprochen hat und das Kind eine 36-jährige
Frau ist, die bereits 2003 verstorben ist. Die Familie Engelhard hat den
Tod ihrer Tochter sowohl im Weserkurier als auch im Schwäbischen
Tagblatt Tübingen in einer Todesanzeige angezeigt.
Nach einer Beratung zwischen Herrn Voß, Herrn Wolf, Frau Scabell (sie
hat das Foto gemacht) und mir sind wir zum Entschluss gelangt, den
Grabstein wieder freizuschalten.
Mittlerweile besteht ein Schriftwechsel zwischen dem Anwalt der Familie
Engelhard und der MAUS (anwaltlich vertreten durch Herrn Wolf).
Herr Ulrich hat unsere Entscheidung zum Anlass genommen, seinen
Ehrenvorsitz zurückzugeben und betreibt seitdem Lobbyarbeit gegen uns
(Herrn Voß und mich) und hinter unserem Rücken. Und das nicht nur
vereinsintern sondern auch außerhalb (z.B. wurde der Leiter des
Staatsarchiv Dr. Elmshäuser eher informiert als wir).
Ich denke, es ist verständlich, dass ich über diese Vorgehensweise sehr
erbost bin. Ich fühle mich von Herrn Ulrich "hinters Licht geführt"
Die allermeiste Korrespondenz in Sachen Grabstein-Datenbank ist bisher
positiven Charakters. Gelegenlich kommt auch Kritik und auch der Wunsch,
einzelne Grabsteine herauszunehmen. In allen bisherigen Fällen konnten
wir aber durch sachliche Darlegung der gegenseitigen Positionen die
Unstimmigkiten aus der Welt schaffen.
In einem Fall wurde der Bremer Datanschützer eingeschaltet, in einem
weiteren wurde Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bremen gegen mich
(bzw. die Maus) erstattet. Beides verlief im Sande.
Es gibt aus meiner Sicht überhaupt keinen Grund von dieser Linie
abzuweichen. Ganz im Gegenteil würden wir einen Präzedenzfall schaffen,
der unsere zukünftige Postion (auch rechtlich) stark schwächen würde.
Wir haben immer gesagt, dass bei guten Gründen (die man sich durchaus
vorstellen kann, aber bisher noch in keinem Fall vorgebracht werden
konnten) im Einzelfall eine Entfernung von Datensätzen aus unseren
Datenbanken durchaus diskutieren und dem nachkommen ist.
Ein einfaches "ich will das aber nicht" reicht mir nicht aus.
Wenn jemand das nicht will oder kann, stehen ihm alle rechtlichen Wege
offen, seine Position durchzusetzen. Diesen Weg hat Herr Engelhard jetzt
beschritten. Warten wir es ab.
Die Rückgabe des Ehrenvorsitzes an den Vorstand der MAUS auf Grund des
oben geschilderten Falls ist für mich nicht nachvollziehbar, gleichwohl
akzeptiere ich ihn natürlich.
Liebe Vorstandskollegen und -kolleginnen, ich stehe selbstverständlich
für alle aufkommenden Fragen bereit und möchte mich dafür entschuldigen,
dass diese email so lang geworden ist.
Schöne Grüße
Herbert (Juling)
PS: In dieser geschlossenen MAUS-Vorstandsliste lesen alle zur Zeit dem
erweiterten Vorstand angehörigen Mitglieder mit. Herr Ulrich ist nicht
mehr dabei. Für Herrn Klostermann ist Frau Scabell als kooptierte
Schatzmeisterin eingetragen.