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Gruß
Herbert Juling
-------- Original-Nachricht --------
Betreff: AW: Grabsteine Verden
Datum: Thu, 10 Sep 2009 19:06:04 +0200
Von: Röver <roever2010(a)gmx.de>
An: 'Herbert Juling' <juling(a)lesum.de>
Vielen Dank für die ausführliche Information.
Ich hatte nicht angenommen, dass ein Verein wie die MAUS gegen geltendes
Recht verstoßen sollte und hoffe, Sie haben das auch nicht so aufgefasst.
Ich verstehe Ihr Interesse, vielen Menschen die Ahnenforschung leichter zu
machen und würdige Ihre Arbeit. Ich hoffe, das recht viele Menschen durch
Ihre Arbeit zu ihren Wurzeln finden.
Mit freundliche Grüßen
Merle Röver
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Herbert Juling [mailto:juling@lesum.de]
Gesendet: Sonntag, 6. September 2009 14:18
An: Merle Röver
Cc: Olaf Schmidt
Betreff: Re: Grabsteine Verden
Sehr geehrte Frau Röver,
Röver schrieb:
> Merle Röver, geb. Niecke
> Bremerhavener Str. 32
> 27442 Gnarrenburg
>
> Sehr geehrte Damen und Herren,
>
> ich war doch sehr verwundert, den Grabstein meines Vaters im Internet zu
> finden.
>
> Vielleicht können Sie mir sagen, wie das kommt? Und wer Sie damit
> beauftragt hat? (Gemacht hat das Bild Olaf Schmidt.)
beauftragt hat uns niemand. Wir sind als genealogischer Verein (MAUS =
Gesellschaft für Familienforschung in Bremen) daran interessiert,
möglichst viele zugänglichen Daten zu erfassen, um unsere
Familienforschung zu betreiben.
Ausgangspunkt für diese Idee war, dass eines unserer Mitglieder in den
80er Jahren die historischen Grabsteine auf Friedhöfen in Bremen und
umzu fotografiert und davon 25 Fotoalben mit Fotos und den dazugehörigen
Inschriften erstellt hat.
Wir hatten begonnen, diese Fotos in einer Datenbank zusammenzustellen
und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Als in der Zeitung ein Aufruf der Riensberger Friedhofsverwaltung an
Grabstellenbesitzer veröffentlicht wurde, die Grabsteine von
eingeebneten Gräber abzuholen, andernfalls würden sie geschreddert und
zum Straßenunterbau verwendet, reifte der Entschluss, alle Friedhöfe in
Bremen und umzu zu fotografieren und die darauf befindlichen Daten zu
erfassen. Wir sehen das auchals eine Dokumentation unserer
Begräbniskultur und damit der Erhaltung unseres Kulturgutes.
Vor der Veröffentlichung im Internet haben wir uns ausgiebig mit der
gesetzlichen Situation beschäftigt (Datenschutz, Persönlichkeits- und
Eigentumsrecht) und die Rahmenbedingungen abgeklärt.
Die fotografierten Friedhöfe - sowohl die staatlichen Friedhöfe als auch
die kirchlichen Friedhöfe - sind ganz allgemein öffentlich zugänglich,
so dass es jeder Person jederzeit möglich ist, ein bestimmtes Grab
aufzusuchen, wenn sie es möchte. Die Friedhofsverwaltungen werden auch
jedem, der ein bestimmtes Grab sucht, konkrete Informationen darüber
geben, wo sich die Grabstelle befindet.
Das Fotografieren und die nichtkommerzielle Verwertung von Grabsteinen
ist nach der geltenden Gesetzeslage nicht verboten. Daran ändert auch
die Tatsache nichts, dass Sie möglicherweise Eigentümer des Grabsteins
und Nutzungsberechtigter der Grabstelle sind.
Der Fotografiervorgang selbst ist unter rechtlichen Gesichtspunkten ein
Realakt, der die Verfügungsbefugnis des Eigentümers/des
Nutzungsberechtigten völlig unberührt lässt. Das Fotografieren hat
insbesondere keinerlei Auswirkungen auf die Nutzung der Sache selbst.
Der Eigentümer ist nicht gehindert, mit der Sache nach Belieben zu
verfahren und er wird auch nicht in seinem Besitz gestört. Jede andere
Auffassung würde auf die Anerkennung eines Ausschließlichkeitsrechts an
dem in der Sache letztendlich verkörperten immateriellen Gut
hinauslaufen, eine Auffassung, die dem deutschen Recht fremd ist.
Auch datenschutzrechtlich steht diesem Projekt nichts im Wege, weil der
Datenschutz mit dem Tode endet. Geschützt bleibt nurmehr das Ansehen des
Verstorbenen gegen jedwede Form von Herabwürdigung und Verunglimpfung -
Fallkonstellationen, von denen hier schwerlich die Rede sein kann.
Die MAUS verfolgt mit dem "Friedhofsprojekt" aber auch das Ziel, das
Andenken an die Verstorbenen zu bewahren und Freunden und Verwandten in
aller Welt die Möglichkeit zu geben, sich diesem Andenken individuell zu
widmen, ohne die Grabstelle persönlich aufsuchen zu müssen, was ihnen
möglicher Weise auch gar nicht nicht oder nur unter Inkaufnahme von
erheblichen Kosten und sonstigen Beschwerlichkeiten möglich wäre.
Ich und die Mitglieder der MAUS würden es deshalb begrüßen, wenn sie das
allein von persönlichem Idealismus getragene Projekt und die
dahinterstehende Idee aus diesem Blickwinkel betrachten könnten und
hoffe, Ihnen hiermit hinreichend geantwortet zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Herbert Juling
>
> Ich bin ja auch an Ahnenforschung interessiert und habe Angaben, die
> unsere Familie bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen leider nicht
> lückenlos. Dennoch war mir bisher nicht bewusst, das man Bilder der
> Grabsteine ohne Zustimmung der direkten Angehörigen, z.B. der Witwe, ins
> Internet stellt. Stellen Sie sich bitte die, gelinde gesagt, erstaunte
> Verwunderung meiner Mutter vor, als sie das Bild sah.
>
> Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antwort.
>
>
> Mit freundlichen Grüßen
>
> Merle Röver
>