Lieber Franz, vielen Dank fuer dieses Zitat, das ich auch dem SwissGen-Team nicht vorenthalten moechte. Aus Sicht der "German Genealogy Pages" finde ich es zwar etwas bedauerlich, dass die NZZ sich da so ausschliesslich auf Hanacek festgelegt hat, aber mit dem Kommentaren zu SwissGen kann ich leben ;-)). Der Artikel stand in der NZZ vom 2.7.99 (unter Medien und Informatik) : liest jemand regelmaessig die NZZ und hat die Ausgabe noch ? Ich wuerde mich ueber eine Kopie des Artikels (in seiner gedruckten Form) freuen. Beste Gruesse - Wolf ---------------------- Wolf W. Seelentag, PhD, e-mail : wolf@swissmail.com Reherstr. 19, CH - 9016 St. Gallen, Switzerland Tel (home) : +41-71-2885121 Fax : +49-89-66617-91987 Tel (work) : +41-71-4942233
---------- Von: Franz Nostitz[SMTP:fonostitz@datacomm.ch] Gesendet: Samstag, 3. Juli 1999 19:44 An: Christ, Markus {PTCB~Basel} Betreff: NZZ
Liebe Freunde, Diesen Artikel der NZZ wollte ich Euch nicht vorenthalten.
Mit besten Gruessen Euer Franz (Nostitz)
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Von welchem Baum gefallen ?
Immer mehr Leute fahnden im Web nach ihren Vorfahren.
Schon manch einer hat sich gefragt, woher er kommt und wohin er geht. Die Antwort auf letzteres liest man zum Beispiel aus dem Kaffeesatz, jene auf ersteres suchen immer mehr Leute im Web.
Genealogie im Internet ist ein Renner - wer den Begriff einer Suchmaschine füttert, wird von Treffern durchlöchert. Als Ende Mai die Glaubensgemeinschaft der Mormonen die Website Family Search (1) ins Netz brachte, ging die gleich in die Knie. Am ersten Tag stürmten 500 Interessierte pro Sekunde den Server, auf dem Informationen über 400 Millionen Leute zugänglich sind. Die Mormonen haben diese Daten mehr als ein Jahrhundert lang zusammengetragen; bis Ende Jahr wollen sie in ihre Datenbank weitere 200 Millionen Namen einspeisen.
In detektivischer Kleinstarbeit der eigenen Herkunft nachzuspüren ist wohl nicht in erster Linie das Hobby halbwüchsiger Surfer. Der Online-Boom der Ahnenforschung verdankt sich weitgehend den über 55jährigen. Eine Studie von Senior Net ergab, dass mehr als drei Viertel der Senioren, die über einen Computer verfügen, auch im Internet surfen; die populärste Anwendung in dieser Gruppe ist E-Mail, danach folgt gleich die Online-Recherche nach den eigenen Wurzeln.
Im Unterschied zu der in der wirklichen Welt recht mühsamen Spurensuche in Bibliotheken, Archiven und Kirchenbüchern lässt sich die Online-Recherche bequem zu Hause am Computer erledigen, seit immer mehr Dokumente im Web zugänglich gemacht werden. Unternehmen, die dieses Bedürfnis rechtzeitig erkannt haben, prosperieren. Ancestry (2) ist in den letzten acht Monaten von 35 auf 200 Mitarbeiter gewachsen. Bis ins Jahr 2000 will die Firma eine Milliarde Namen in ihrer Datenbank haben; finanziert wird sie mit gebührenpflichtigen Dienstleistungen, die den Gratis-Suchdienst ergänzen.
Die Genealogie triumphiert nicht nur in den USA, wo Yahoo 72 spezialisierte Sites hat. Der deutschsprachige Ableger des Suchverzeichnisses führt zwar nur gerade 8 Sites auf, aber in der Differenz zeigt sich in erster Linie die unterschiedliche Internet-Durchdringung. Unter den Adressen wirkt das eine oder andere ziemlich handgestrickt. «Wenn Sie noch nicht mit der Familienforschung begonnen haben, so seien Sie gewarnt», mahnt etwa ein Enthusiasmierter, «wenn Sie einmal mit diesem Hobby angefangen haben, werden Sie nicht wieder davon loskommen!» Und gibt dann den angehenden Familienforschern gleich den ersten und entscheidenden Tip: «Beginnen Sie schon heute mit der Befragung, denn morgen kann Ihr Gesprächspartner schon tot sein.»
Die brauchbarste Site für Ahnenforscher in unseren Breitengraden hat Andreas Hanacek zusammengestellt: «Internet-Quellen zur Genealogie des deutschen Sprachraumes.» (3) Dort findet man eine schier unerschöpfliche Fülle von Anlaufstellen; Archive, Verzeichnisse, Newsgroups, Mailinglisten, Genealogie-Software - und alles Wissenswerte über Donauschwaben und Sudetendeutsche.
Aber auch hierzulande sind die Genealogen im Web nicht untätig. Die Site «Schweizer Familienforschung auf dem Internet» (4) wirkt mit ihrem Namen grammatikalisch zwar nicht allzu standfest, trägt aber im übrigen wertvolle Informationen zusammen. Das Ziel der nicht kommerziellen Initiative ist es, die Arbeit Freiwilliger zu vernetzen und ins Web zu bringen. Löblich ist der Vorsatz, so viel wie möglich ins Englische zu übersetzen und so die eigenen Anstrengungen einer breiten Online-Gemeinde zugänglich zu machen.
Wer in die Nachforschung zu seinen Vorfahren einsteigen möchte, wird bei der «Schweizer Familienforschung» kompetent angeleitet. Man erfährt, was ein Familiennamenbuch ist und wo man darauf zugreifen kann, welche Besonderheiten des Schweizer Bürgerrechts sich im Familienschein niedergeschlagen haben, wo man Forschungsarbeiten und Bibliographien findet.
Und dann kann sie losgehen, die Reise in die Vergangenheit. - Nächste Woche beschäftigen wir uns mit der Zukunft: surfenden Babies.
d.weber@nzz.ch
1 www.familysearch.org 2 www.ancestry.com 3 www.bawue.de/hanacek/info/ddatbase.htm 4 www.eye.ch/swissgen/schweiz.html
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